Startup Amen – Wie das “Amen” in der Kirche..
Es ist etwa zwei Wochen her, da lud mich Markus Sekulla freundlicherweise zu Amen ein. Jenes Startup, welches in der Tech- und Online-Szene für einigen Gesprächsstoff sorgte. Warum? Nun im Prinzip wusste noch niemand, was denn dieses ominöse Startup überhaupt vorhatte, da hatte Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher mal wieder ein Investment in ein Tech-Startup getan. Etwa 2 Millionen Dollar soll er bereitgestellt haben, um den Gründern den Start zu erleichtern. Doch das Startup kommt nicht aus dem Sillicon Valley oder sonst wo aus den USA. Es hat seine Basis in Berlin.
CEO und Gründer des Startups ist Felix Petersen. 2008 verkaufte dieser bereits den Location Based Service Plazes erfolgreich an Nokia. Auch mit im Gründerteam ist Florian Weber, der schon bei der Entwicklung von Twitter mitwirkte. Die Gründer sind also keine Unbekannten.
Was aber genau passiert bei Amen jetzt? Im Prinzip ist der Service bisher total simpel. Man kann eine Behauptung aufstellen und andere Leute können dir entweder zustimmen (“Amen”) oder widersprechen (“Dispute”) und einen Gegenentwurf anbieten. Dabei geht es rein um Tops oder Flops. Sprich deine Behauptung funktioniert so, dass eine Sache nur entweder “Best” oder “Worst” in einer von dir festgelegten Kategorie sein kann. Dazu ist es möglich einen individuellen Zeitraum zu bestimmen, für die deine Behauptung gelten soll. Voreingestellt ist jeweils “Ever” (also “aller Zeiten”).
In folgendem Screenshot sehen wir schon mal ein paar Beispiele dazu. Da die Spracheinstellung der Seite bisher nur in Englisch existiert, schreiben auch die meisten deutschen Nutzer ihre Behauptungen in englischer Sprache. Momentan sind die Behauptungen in drei einfache Kategorien aufgeteilt: Person, Ort (“Place”) und Sache (“Thing”). Die Zahl der Zustimmungen also “Amens” wird jeweils mit Namen unter der Behauptung angezeigt. Es wird außerdem noch auf ein “Original Amen” geachtet. Sprich, wenn du der erste bist, der eine Behauptung aufstellt, wird das in deinem Profil vermerkt. Schreibst du eine neue Behauptung und es hat schon jemand mal dieselbe Behauptung aufgestellt, wird dies als “Amen” dem ursprünglichen Autor zugezählt. Gerade zu Anfang gibt es daher noch ohne Ende Raum um sich hier zu profilieren.
Denn am Ende herrscht bei Amen ja auch ein gewisser Wettbewerb zwischen den Nutzern, bei dem die Standpunkte nicht diskutiert werden, sondern einfach Gegenmeinungen gepostet werden. Wenn verschiedene Nutzer ihren Favoriten in einer übereinstimmenden Kategorie (inklusive demselben Zeitraum) gewählt haben, wird sofort eine Rangliste erstellt. Hier ist zu sehen, wer oder was in dieser Kategorie gerade die meisten “Amens” bekommen hat. So wie zum Beispiel im Screenshot unten zu “Best Thing About Germany”. Amen dient also in dieser Form auch als eine Art Umfrage-Tool.
Ich muss sagen, dass ich die ersten paar Tage echt einige Zeit auf Amen verbracht habe. Es machte durchaus Spaß mit den Funktionen herumzuspielen, Leuten für gute Statements ein “Amen” zu geben und vor allem zu überlegen welche klaren Aussagen ich treffen könnte. Auch wenn die Klarheit der Aussagen sicher kein muss ist, man kann so viele Aussagen zum exakt selben Thema treffen, wie man möchte. Ein Problem, welches jedoch schnell auftrat und bei vielen Startups zur Normalität gehört, war die Inaktivität der paar Kontakte, die ich bisher gesammelt hatte. Es melden sich eben gerne mal einige bei neuen Online-Diensten an, gucken sich um und gehen erstmal wieder. So dass sich die “Amens” in meiner Timeline vor allem auf die von 2-3 Leuten (inkl. Felix Petersen) reduzierten und die response zu meinen “Amens” auch verhalten blieb.
Die Leute zahlten also brav Kirchensteuer, gingen aber leider nicht in den Gottesdienst. Da können sich die vereinsamten Seelen dort schon mal langweilen. Sollten sich aber genügend Leute entschließen sich aktiver in die Gemeinde einzubringen, könnte Amen ein spannender und lebendiger neuer Service werden, der sich hübsch in einer Nische niederlässt und dann sicher auch irgendwann die Massen anlocken könnte. Denn wenn Menschen die Chance haben ihre Meinung auszudrücken, dann haben viele Leute sicher wenig Hemmung und werden das auch gerne hier tun. Das ist (fast) so sicher wie das Amen in der Kirche.
Tags: Amen, Ashton Kutcher, Felix Petersen, Meinungsäußerung, Nische, Plazes, startup, Twitter, Umfrage




Mein Name ist Julian Grandke. Seit 2003 arbeite ich im Bereich der digitalen Medien. Momentan arbeite ich als Social Media Berater, Blogger und freier Journalist. 
