Behind the Scenes: Porsche Tennis Grand Prix 2012

Als ich am Sonntag vor 2 Wochen gegen halb elf Uhr morgens am Bahnhof Bad Canstatt in Stuttgart ankam, waren für diese Zeit schon ungewöhnlich viele Menschen hier unterwegs. Während eine größere Gruppe Jugendlicher mit ihren – ähm – „Wasserflaschen“ in Richtung Cannstatter Wasen schunkelten, um ihrer Kleidung nach mal gepflegt einen auf Tradition zu machen, machte ich mich auf den Weg zur Porsche Arena. Tennis gucken. Menschen treffen. Wie angekündigt. Diese Story bin ich euch also noch schuldig.

Die ZF Friedrichshafen, Co-Sponsor des zurzeit einzigen WTA-Turnier in Deutschland, hatte mich zu diesem Event eingeladen. Dazu hatte mir deren beauftragte Agentur MSL Germany ein spannendes Rahmenprogramm angekündigt. Und nachdem mich der doppelte Kai – Kai Störmer (MSL) und Bloggerkollege Kai Pahl (Alles außer Sport) – freundlich am Eingang der Porsche Arena begrüßte, konnte es auch direkt zur Sache gehen.

Interview-Marathon: Vor dem Spaß kommt der Spaß

Akkreditieren. Ab zum Presse Center. Ein Interview-Marathon stand uns bevor. Zu zweit tackelten Kai und ich von nun an verschiedene Experten des Turniers. Im Hintergrund trainierte derweil Viktoria Azarenka auf dem noch leeren Center Court.

Los gings. Mit Stolz erzählt Mediendirektor Claus-Peter Andorka, wie sich allein durch den guten Ruf des Turniers der Großteil der Top20 der WTA-Weltrangliste in Stuttgart 2012 eingefunden habe. Die familiäre Atmosphäre habe sich unter den Spielerinnen herumgesprochen. Word-of-Mouth also. Anhand des Preisgeldes (740.000 US-Dollar) habe man eigentlich nur Anrecht auf 2 Topspielerinnen. Da sich die Spielerinnen frühzeitig angemeldet haben, durfte man aber dieses Jahr in Stuttgart 16 der Top 20 begrüßen. 2 weitere Top20-Spielerinnen waren trotz Verletzung vor Ort. Starke Quote!

Man habe kein Interesse das Turnier auf 2 Wochen auszudehnen. Porsche ist auf Premium aus. Ein Event wolle man sein. Nicht nur ein Tennis-Turnier. Dazu passt auch ein ausgiebiges Rahmenprogramm mit Lifestyle-Bereich und Beach-Tennis. Indoor versteht sich.

Julian Grandke Kai Pahl Jana Braun - Porsche Tennis Grand Prix

Porsche Tennis intensiviert Social Media

Auch im Social Web ist man mittlerweile sehr um Interaktion und somit auch Reichweite bemüht. Versammelten sich 2011 noch ca. 5000 Fans auf der Facebook-Seite des PTGP, waren es 2012 vor dem Turnier knapp 11.000 und bis zum Ende des Turniers über 40.000. Vor und während des Turniers standen zahlreiche Top-Spielerinnen den Fans zum Live-Chat bereit. Die Facebook-Seite ist zudem auch einem internationalem Publikum zugewendet und sendet alle Updates je nach Spracheinstellung auch komplett auf Englisch. Deutsche Fans bekommen eine Mischung aus deutschen und englischen Updates zu sehen.

Der Vergleich zum deutlich höher dotierten Turnier in Madrid (Preisgeld: 5,1 Mio. Dollar) ist da ganz interessant. Die Facebook-Seite ist auch zweisprachig geführt – wobei beide Sprachen im selben Update stehen – und Spanisch oben steht, und bei längeren Texten dementsprechend der englische Text erst ausgeklappt werden müsste. Knapp 26.000 Fans versammeln sich hier. Und das obwohl auch die Herren im Spiel sind und die drei großen Djokovic, Nadal und Federer vor Ort waren. Punktsieg, müsste man aber wohl noch mal in der Tiefe untersuchen.

Nachdem man in Stuttgart 2009 langsam angefangen hat, Social Media Kanäle zu bespielen, hat man jedenfalls mittlerweile einen guten Weg gefunden, um jede Menge Interaktion zu ermöglichen. Man versucht die Nähe Stück für Stück ins Social Web zu transportieren. Luft nach oben ist immer.

Tennis in Deutschland – Der Neuaufbau braucht Zeit

Vor Ort und über das Jahr verteilt sorgt vor allem Anke Huber für einen engen Kontakt zu den Spielerinnen. Seitdem Deutschland selbst wieder eine ganze Reihe an Aushängeschildern hat, ist das sicher etwas einfacher geworden. Doch auch die internationalen Tennis-Stars zeigen Nähe, gehen zu öffentlichen Events und Autogrammstunden und sind in der All Access Hour der gesamten Presse „ausgeliefert“. Dazu sind sie von der WTA verpflichtet. 3 Stunden in der Stuttgart-Woche müssen sie Off Court zur Verfügung stehen. Anke Huber sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Die ehemalige Nr. 4 der Welt weiß ja noch aus vergangenen Tagen, was man als Athletin während dem Turnier braucht. Genau wie Turnierdirektor Markus Günthardt spricht sie sich uns gegenüber für weitere WTA-Turniere in Deutschland aus. Es seien 1-2 Sachen im Gespräch. Der Turnierkalender ist aber schon extrem eng. Und: „Sport zieht dem Geld nach, nicht nur im Tennis“, gibt Günthardt zu bedenken. Daher würden auch mehr exotische Orte für Tennisturniere den WTA-Kalender füllen.

Anke Huber Julian Grandke - Porsche Tennis Grand Prix

Durch den Leerlauf im deutschen Tennis seien Sponsoren weggebrochen und das Medieninteresse gesunken. Das müsse man nun wieder aufbauen. Das braucht eben Zeit. So habe man das Programm des Finales auch stark auf das Fernsehen abstimmen müssen. Auf die Frage, ob er sich lieber eine deutsche Spielerin als Nr. 1 oder viele gute deutsche Spielerinnen wünscht, tendiert Günthardt nach kurzem Überlegung zur Breite.

PR & Social Media für Tennis-Turniere – 1 Woche Tennis, 52 Wochen Hurra?

Eine Frage die ich unbedingt diskutieren wollte war, wie der PTGP über das Jahr das Interesse hochhält. Da die Hauptakteure, sprich die Spielerinnen, nicht über das ganze Jahr verfügbar sind, muss man sich ja was einfallen lassen. Ein paar PR-Termine mit Aushängeschild Anke Huber reichen da nicht aus. Porsche ist seit einiger Zeit Besitzer des PTGP. Man ist zudem Sponsor des Fed-Cup-Teams, welches nun den Titel Porsche Team Deutschland trägt und der Mädchen-Nationalmannschaft. So hat Porsche zumindest die deutschen Spielerinnen öfter zur Verfügung.

In den Social Media Kanälen versucht man auch aktuelle Informationen zum Turnier aber auch zur Tour zu teilen. Was sicherlich noch intensiver möglich wäre. Die Pressearbeit bei Porsche Tennis läuft zwar das ganze Jahr, für das Turnier wird sie aber jeweils im Oktober gestartet und Richtung Turnier intensiviert.

Blogger mischen Players Lounge auf

Mittlerweile sind wir zu dritt. Hallo, Jana. Zeit für eine letzte Anekdote. Nach dem Doppelfinale drangen wir tiefer hinter die Kulissen und wurden schließlich in die Players Lounge eingeladen, wo wir uns mit Lilo Heesen, seit 35 Jahren für das Wohlergehen der Spielerinnen verantwortlich, unterhalten wollten. Als wir die Terrasse betraten, wurden wir an den Tisch neben Viktoria Azarenka gebeten. Die aktuelle Nr.1 der Welt verdrehte ihre Augen und verließ knappe 1,5 Stunden vor ihrem Finale gegen Maria Sharapova genervt die Players Lounge. Wir ließen uns davon nicht stören und plauderten weiter mit einem der Turnier-Urgesteine.

Der Kollege Kai Pahl war gerade mal wieder voll in Fahrt. Fragte Lilo über die Unterschiede von Außendarstellung und internen Verhalten der Spielerinnen aus und brachte an, dass „zum Beispiel (..) Sharapova, (..) nach außen sehr ernst, sehr konzentriert wirkt“. Was er nicht ahnte war, dass eben diese in dem Moment hinter ihm vorbeilief, kurz anhielt und einen Blick in die Runde warf. Nachdem sie sich an einen Tisch setzte um etwas zu essen, klärten wir ihn auf. Leises Gelächter.

Als wir Maria Sharapova auf der Pressekonferenz nach ihrem Turniersieg wieder antrafen, war diese sichtlich gelöst und locker. Viktoria Azarenka gab sich wortkarg und trotzig, nachdem sie der Stuhlschiedsrichterin im Spiel schon das meiste ausgerichtet hatte, was sie heute so loswerden wollte.

Mehr Infos zum Finale und der PK im Blog von Kai Pahl

Photos by Kai Störmer

  • Anno Nymus

    Ein Punkt ist leider nicht korrekt. Die Updates auf der Fanseite des PTGP werden nicht einzig und allein auf englisch gepostet, sondern sowohl als englisch als auch in der Heimatsprache deutsch. Danke Zielgruppentargeting für Posts können die einzelnen Beiträge den Spracheinstellungen des Users zugeordnet werden. 

    • http://www.juliangrandke.de Julian Grandke

      Danke für den Hinweis! Ich habe es ausprobiert und im Text korrigiert. Sendet eine Mischung aus deutschen und englischen Updates bei deutscher Spracheinstellung.