Ron Schindler im Interview: Social Branding für DJs

Ron Schindler ist seit über 15 Jahren ein fester Bestandteil der deutschen HipHop-Szene. Als DJ Ron an den Plattentellern, als Labelgründer und Radiomoderator bzw. Podcaster. Viele verbinden den Chemnitzer auch mit dem splash!-Festival. Und auch wenn alle diese Begriffe im Interview fallen, liegt der Fokus natürlich auf einem anderen Thema.

Seit längerer Zeit sind wir auch über Facebook und Twitter vernetzt. Da blieben unsere jeweiligen Blogs nicht lange verborgen. Das bewegte mich dazu Ron um ein Interview zu bitten und mit ihm über Social Media und Personal Branding für DJs zu reden.

Für diejenigen, die nicht mit deutschem HipHop groß geworden sind. Stell dich doch bitte kurz vor.

Mein Name ist Ron Schindler und ich bin seit über 15 Jahren als DJ Ron in der HipHop-Szene aktiv. Ich bin für eine Menge Mixtapes verantwortlich, habe das Label Phlatline gegründet, die Karriere von Tefla & Jaleel mit angekurbelt und für das Splash! Festival einige Sampler / DVDs compiliert und veröffentlicht. Außerdem betreibe ich seit über 10 Jahren meine eigene Radioshow / Podcast namens „Uptowns Finest“.

Du bloggst, twitterst und bist u.a. auch bei Facebook aktiv. Welches Ziel verfolgst du mit deinen Social Media Aktivitäten? Und wie sah bei dir der Einstieg in dieses Thema aus?

Ehrlich gesagt hab ich am Anfang gar kein klares Ziel verfolgt. Der Einstieg in Social Media war bei mir MySpace. Ich war glaube ich einfach nur begeistert von der Idee mit Nas, Mobb Deep oder Funkmaster Flex befreundet zu sein. (lacht) 
Als ich angefangen habe auf meiner Website zu bloggen, hab ich Social Media vor allem als Möglichkeit genutzt Traffic auf meinen Blog zu lenken. Mittlerweile steht bei mir aber eher Networking und die Möglichkeiten die sich daraus ergeben im Vordergrund.

Wie hat sich damit die allgemeine Kommunikation für dich verändert? Und welche Verbindungen und Unterschiede stellst du für dich in der Offline- und Online-Kommunikation fest?

Es geschieht momentan ziemlich oft das ich Bookinganfragen über Facebook erhalte. Selbst über Twitter hab ich schon Gigs für mich generiert! Nicht jeder hat meine Telefonnummer und ist mit mir Offline im Kontakt. Durch Social Media bin ich aber erreichbar. Erreichbar für jemanden der mich buchen will. Erreichbar für jemanden der ein Interview machen will. Allein schon deswegen hat die Online-Kommunikation für mich große Vorteile.

Als renommierter DJ hast du eine gute Reichweite. Was unterscheidet deine Rolle in den sozialen Medien aber z.B. von der anderer Solo-Künstler wie Sängern und Rappern?

Als Rapper oder Sänger hat man meistens schon eine Art Image, ein Profil. Als DJ ist man für viele leider nur der Typ, der die Musik spielt. Durch die sozialen Netzwerke kann ich aber selbst entscheidend meine Wahrnehmung bestimmen und beeinflussen. Personal Branding!

Welchen Stellenwert hat für dich die Nutzung und Verbreitung von multimedialen Inhalten im Gegensatz zu reinem Textmaterial?

Ich versuche zum Beispiel auf meinen Gigs im Ausland so viel wie möglich Material zu filmen, um dann in Deutschland davon ein Video für YouTube zusammenschneiden zu können. Das bringt das Erlebte in dem jeweiligen Land und die Party bzw. die Leute im Club viel authentischer herüber als 1000 Worte oder ein paar Fotos in meiner Gallery.

Blog Dj Ron Schindler - Social Branding Interview

In Israel wurden vor kurzem verschiedene Facebook-Features in ein Konzert eingebunden. Inwiefern hältst du die Integration von Social Media im Club für möglich und sinnvoll?

Auf jeden Fall. Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Zum Beispiel könnte man sich über eben solche Features einen Song beim DJ wünschen oder Feedback zur Party geben. Man könnte zum Beispiel auch seine Tracklist aus dem Serato (Anm. Red.: Bekannte DJ-Software) live streamen, dadurch können die Leute sehen welchen Track ich gerade spiele.

Im Kontrast dazu. Welche Möglichkeiten hat eine Großveranstaltung wie das splash! Festival Social Media zu integrieren und wie sieht deiner Meinung nach das perfekte Zusammenspiel zwischen Veranstalter und Künstler aus?



Das splash! Festival nutzt die Kanäle Twitter & Facebook meiner Meinung nach bereits schon ziemlich gut und hat vor allem durch das Splash! Mag ein Online-Magazin, welches regelmäßig Content für die Website kreiert. Zum Festival selbst fände ich es interessant ein eindeutiges Hashtag zu haben, um die Reaktionen auf Twitter verfolgen zu können. Ich denke das kann man auch sehr gut nutzen um die Kommunikation mit den Besuchern auszubauen und frühzeitig eventuelle Probleme zu erkennen. 
Über das Zusammenspiel von Veranstalter und Künstler kann ich leider nicht wirklich viel sagen, dazu hab ich zu wenig mit der Organisation oder dem Booking zu tun. Am besten ist es natürlich immer wenn der Künstler Lust auf das Festival hat und umgekehrt der Veranstalter ein Fan vom Künstler ist.

Da du dich auch selbst für soziale Medien interessierst. Welche Social Media Kanäle könnten für dich in Zukunft interessant werden, die du momentan noch nicht nutzt? Was hältst du von Location Based Services?

Zur Zeit finde ich Tumblr ziemlich interessant und Instagram nutze ich auch intensiv. Die Idee hinter dem Color App für’s iPhone finde ich höchst spannend. Da kann ich mir die Verwendung bei Parties, wo viele Menschen auf einem Fleck sind, sehr gut vorstellen. Da hat man dann sozusagen ein „elastisches“ Netzwerk und sieht die Bilder die in seiner unmittelbaren Umgebung gemacht worden sind. Als standortbezogene Dienste nutze ich zur Zeit nur Facebook Orte. Aber mir ist natürlich klar, was für enorme Möglichkeiten das für den Einzelhandel mit sich bringt.

Gibt es für dich andere DJs (auch international), die man als Vorbild für die Nutzung von Social Media heranziehen könnte?

Hm, da muss ich kurz überlegen. Also in Deutschland fallen mir da zum Beispiel DJ Kitsune oder DJ Eskei ein. Die Beiden nutzen die sozialen Netzwerke meiner Meinung nach sehr gut. International gibt es mit Sicherheit auch einige, die da eine Vorreiter-Rolle übernehmen, aber ehrlich gesagt verfolge ich das zu wenig, um da jetzt konkret Namen nennen zu können, die Social Media außergewöhnlich gut verwenden.

(Dieses Interview wurde ursprünglich auf meinem eingestellten Blog BrandingStory am 04.05.2011 veröffentlicht.)

Ron Schindler im Internet:
Blog: www.djron.net/blog
Podcast: www.uptownsfinest.de
Twitter: twitter.com/deejayron