SPIN Magazine auf Twitter: Musik-Reviews in 140 Zeichen

Das US-Musikmagazin SPIN hat dieses Jahr ein interessantes Projekt gestartet. Es kritisiert pro Monat 140 neue Alben. 120 dieser Alben erhalten allerdings nur eine Review auf Twitter. In 140 Zeichen. Stellt sich die Frage warum SPIN das macht und was es im Endeffekt bringt.

Es ist nicht selten, dass eine Nachricht sich als erstes auf Twitter verbreitet. Und auch sonst ist das Informationsangebot auf Twitter ausgiebig. Als Ersatz für Artikel mussten einzelne Tweets aber bisher eher selten herhalten. Auch wenn Twitter-Reviews nicht völlig neu sind, das New Yorker Musikmagazin SPIN hebt dieses Format auf ein völlig neues Level.

Im Gespräch mit Mashable erzählt SPINs Senior Editor Chris Weingarten:

“We are completely changing the way we approach reviews. Most of our reviews were between 60 and 80 words, but people just want to get information fast and then decide for themselves if they like the music.”

SPIN Twitter Reviews - ScreenshotMusik-Reviews auf Twitter: Viele Alben, wenig Kritik

Man wolle sich lieber auf die Kritiken der 20 besten bzw. erwähnenswertesten Alben konzentrieren, betont Weingarten. Die restlichen 120 sorgen dann für ein überaus komplettes Medienangebot mit über 1500 Reviews im Jahr. Zumindest theoretisch. Denn praktisch sagen diese wirklich kaum etwas aus – weder über Musik noch Künstler. In den 140 Zeichen finden sich nämlich auch noch Künstlername, Albumtitel, Bewertung und Kürzel des Autors. Und dann stellt sich doch wirklich die Frage ob das überhaupt Sinn macht oder man diese Form der Review noch einmal überdenkt oder überarbeitet. Hier mal Beispiele, wie so eine Kurz-Review eines Musikalbums auf Twitter bei SPIN aussieht:

SPIN Twitter Reviews – In der Kürze liegt..?!

Im Vergleich sind die Reviews auf SPIN.com ein journalistisches Meisterwerk. Die Lücke ist enorm. Doch über 6000 Follower zeigen auch, dass ein Interesse da ist. Nur woran? Die Geheimtipps zwischen den Massen an bei Twitter besprochenen Alben zu finden. Immerhin gibt es auch dort Alben, welche die Bewertung 8/10 erhalten. Was Fragen aufwirft. Oder sind es die Hipster, die die nicht erwähnenswerten und schlecht bewerteten Twitter-Abfälle von SPIN abfeiern.

Egal wie kurz die Reviews sind, der Leser erwartet ja schon, dass der Redakteur jedes besprochene Album mindestens einmal gehört haben sollte. Bei der Masse ist wohl viel mehr auch nicht drin. Ist es dann Kunst den Vibe eines Album in einem kurzen Satz zusammenzufassen. Oder ist es für den Künstler eher wie die Verleihung einer Goldenen Himbeere, wenn man im Twitter-Feed von @SPINReviews landet? Was meint ihr? Zukunft des Musikjournalismus oder digitale Verblödung? Genialer Einsatz von Twitter oder Verschwendung von 140 Zeichen? Will die Mehrheit der Musikhörer von einem Musikmagazin wirklich nur die Kurzbewertung und den Rest selbst herausfinden? Ist der Twitter-Kanal ein reiner Promo-Stunt für das Magazin? Viele Fragen, viele mögliche Antworten.