Twitter braucht mehr Dialog: Sag was, mach was, sei was!
Ich liebe den Sommer. Und wer weiß schon, wie lange es noch Temperaturen über 20° gibt dieses Jahr? Ich entschied also am Montag, gegen späten Nachmittag, mich eine Weile an den Bodensee zu setzen. Die Sonne genießen, ein wenig Spanisch lernen. Als ich am See ankam, saß, auf der einzigen Bank weit und breit, die zu dieser Zeit der Sonne ihre volle Aufmerksamkeit schenkte, ein Mann, der mich in Breite und Tiefe deutlich überragte. Seine Beine angewinkelt über die Bank gelegt, war er am telefonieren oder Selbstgespräche führen – so ganz war das nicht ersichtlich.
Ich wollte ihn nicht stören und setze mich ein Stück entfernt hin. Ohne Bank. Ich begann zu lesen. Irgendwann wurde es ungemütlich. Mein Rücken klagte. Ich drehte mich immer öfter zu der schönen Bank um. Der Mann saß noch genauso da, hörte jetzt aber Musik und spielte Sudoku. Das tat er eine ganze Weile. Ich kam mir blöd vor. Irgendwann aber, als es nur noch ungemütlich war, verließ ich meinen Platz. Ich baute mich vor ihm auf, bis ich seine Aufmerksamkeit hatte und fragte nach ein wenig Platz. Er hatte mich wohl auch schon beobachtet: “Klar, Sie müssen nur etwas sagen.”
Das Ganze erinnerte mich ein wenig an das Social Web – vor allem an Twitter. Der gute Birger Hartung fasst das Dilemma in seiner Twitter-Bio zusammen: “Du folgst mir? Danke! Ich soll dir folgen? Gibt mir einen Grund: Sag was, mach was, sei was! Sei nicht schüchtern.”
Dieses Thema beschäftigt mich schon länger und dieser Beitrag war seitdem in meinem Kopf. Daher fand ich es durchaus witzig, dass ich beim innovate! 2011 in Osnabrück Birger kennenlernen durfte und dann das obige Zitat las. Ich denke jeder hat das schon einmal beobachtet: Nutzer, die einem folgen, entfolgen und dann wieder folgen um Aufmerksamkeit zu erregen. Manche geben auch direkt wieder auf. Andere folgen weiter, stumm und frustriert.
Man fragt sich manchmal, wo denn hier das Thema “Dialog” versteckt ist, welches wir im Zusammenhang mit “Social Media” schon automatisch abgespeichert haben? Gilt das in den Augen mancher Twitterer nur für ihre beruflichen Tweets und privat hat man es direkt vergessen? Wie gehen Freiberufler mit diesem Thema um? Klar ist das bloße Folgen auch ein Akt der Kommunikation, aber einer mit sehr wenig Aussagekraft. Diese sinkt mit der Menge der anderen Follower irgendwann ins Bodenlose.
Fakt ist: Folgen ist nicht alles. Ich folge auch nicht nur Leuten, die mir zurückfolgen sollen/werden. Ich entfolge nicht beleidigt, wenn sie mir trotz Dialog(-Versuch) nicht direkt zurückfolgen. Twitter ist ein Informationsdienst mit weit größerem Dialog-Potenzial, als bisher ausgenutzt. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass viele Nutzer zwar wollen, aber nicht wissen wie. Scheinbar eingeschüchtert, zu faul oder zu höflich sind. Zahlen allein bieten kaum Mehrwert, Dialog dagegen schon.
Irgendwie liegt mir das Thema Twitter am Herzen. Aus diesem Grund habe ich damals den “Timelineverbesserer”-Aufruf gestartet und kurze Zeit später gefordert: “Get to know your timeline”. Es tut einfach weh zu sehen, wie an dieser Stelle Potenzial verschenkt wird. Jede Frage, die wir nicht stellen, ist eine verpasste Chance. Social Media bedeutet auch im Privaten nicht, nur aus der Ferne zu beobachten. Wir haben so viele Optionen an dieser Stelle gemeinsam mit anderen, aktiven Nutzern unsere Kommunikations- und Dialogfläche nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Wir sollten diese Optionen wieder mehr nutzen.
Wie ist eure Meinung zu dem Thema? Ich freue mich auf eure Kommentare hier oder in dem Social Network eurer Wahl.
Lesetipp: Der gute Birger hat mit einem interessanten Artikel geantwortet.
Photo Copyright: jorgempf (via Flickr)
Tags: Dialog, Follow Relations, Follower, Microblogging, Networking, Potenzial, Social Media, Twitter
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http://twitter.com/M_Elsner Martin Elsner
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Anonymous

Mein Name ist Julian Grandke. Seit 2003 arbeite ich im Bereich der digitalen Medien. Momentan arbeite ich als Social Media Berater, Blogger und freier Journalist. 
