Blogger Relations: 6 Tipps für den besseren Umgang mit Bloggern

Blogger sind ein großes Mysterium. Seit den Neunzigern gibt es sie schon, gesteigerte Aufmerksamkeit erhalten sie und ihre Blogs aber erst seit wenigen Jahren. Unternehmen und PR-Agenturen haben begonnen Blogger wahrzunehmen. Nicht alle und auch nicht mit derselben Priorität. Doch sie sind da. Sie haben Reichweite und Relevanz. Doch den richtigen Zugang zu uns Bloggern zu finden scheint für den ein oder anderen PR-Menschen etwas schwierig zu sein.

Ich werde hin und wieder gefragt, was Blogger eigentlich wollen und wie man sie am besten anspricht. Eine berechtigte Frage, der dann normalerweise eine Beraterleistung oder aber mit anderen Leuten aus meinem Feld auch eine beherzte Diskussion folgt.

Blogger Relations - ErrorUm mal eine grobe Vorstellung davon zu vermitteln, was Blogger denn so wollen, stelle ich mich der Frage heute mal hier im Blog. Vorab gesagt sind Blogger sehr verschieden. Sie sind noch weniger als Journalisten für Schubladen geeignet und können sich Eigensinnigkeit noch eher leisten. Dadurch dass Blogger so verschieden sind, haben sie also auch unterschiedliche Vorstellungen. Daher werde ich aus meiner Perspektive mal ein paar allgemeine Dinge ansprechen, auf die man bei der Ansprache von Bloggern unbedingt achten sollte.

1. Blogger sind Freigeister

Aus Respekt vor euren Ohren habe ich nach langem inneren Zerren darauf verzichtet einen Remix zu Christina Aguileras Debüt-Hit mit dem abgeänderten Text und Titel „What a blogger wants“ aufzunehmen. Blogger sind Freigeister. Der Unterschied zu „seriösem“ Journalismus ist, dass Blogger sich nicht zwingend an irgendwelche Muster halten. Sie wollen sich ausprobieren und sehen, wie man Themen aus ihrer Sicht am spannendsten, kreativsten oder spektakulärsten aufbereiten kann. Sie spielen gerne mit verschiedenen Medien und bauen diese auch mal kreuz und quer ein. Außerdem sind sie berüchtigt dafür, Gedanken manchmal nicht zu Ende zu denken oder bewusst zu provozieren, um eine Diskussion anzutreiben. Blogger sind oft eigensinnig und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Thema so präsentiert wird, wie du das gerne hättest, ist äußerst gering.

2. Blogger sind auf deinen Pitch nicht angewiesen

Du glaubst vielleicht, dass Blogger sich tierisch freuen, wenn du als PR-Berater ankommst und ihm irgendwelche neuen Produkte pitchst. Das mag vielleicht für unerfahrene Blogger gelten, bei denen du dich als erster meldest. Andernfalls wird dies aber auf Dauer als störend empfunden, wenn du es nicht mal schaffst eine persönliche Ansprache zu wählen oder zu zeigen, was für den Blogger interessant sein könnte. Wenn er oder sie konsequent sind bei solchen Dingen und du nicht vorsichtig bist, dann kann das für deine Firma schon mal im Desaster enden, wie hier ein interessantes und aktuelles Beispiel zeigt.

3. Blogger merken, wenn du ihren Blog nicht liest

Nehmen wir mal an, du sprichst einen Blogger persönlich an und hast auf den ersten Blick auch schon gesehen, dass dein Thema zum Blog passen könnte. Nun kann es passieren, dass der Blogger wissen möchte, warum du dich gerade an ihn wendest. Hast du schon mal Artikel in dem Blog gelesen oder hat dir deine Assistentin einfach eine Liste von Blogs auf den Tisch gelegt? Wenn du den Blog (angeblich) gelesen hast, was hat dir gefallen? Thema? Stil? Struktur? Blickwinkel? Und was hat das nun wiederum mit deinem Produkt zu tun? Du solltest dir immer bewusst sein, dass Blogs sehr individuelle Medien sind und Blogger von einer persönlichen Ansprache oft mehr erwarten, als bloß den korrekten Namen in der Anrede.

4. Blogger wollen Mehrwert

Du hast dich nun also durch die Punkte 1-3 gekämpft und hast Kontakt. Der Blogger weiß allerdings immer noch nicht, warum er über dein Produkt schreiben soll. Wenn dein Thema nicht ohnehin super relevant, spannend und neu ist, solltest du dem Blogger schon ein paar tiefere Einblicke geben. Denn den Rest kann er sich auch getrost aus anderen Quellen holen. Blogger haben genau wie Journalisten Interesse an exklusiven Interviews und Einladungen zu Events. Sie können außerdem recht flexibel Bilder & Videos einbauen, gerade wenn diese weder 0815 sind noch ohnehin schon das Web überfluten.

Auch Gewinnspiel-Material und Gutscheincodes sind sicherlich gerne gesehen, weil diese dem Blogger helfen können, seine Community zu belohnen und weiter aufzubauen. Wenn dein Produkt online vertrieben wird, ist zudem die prozentuale Beteiligung durch Affiliate-Angebote ein interessantes Angebot für Blogger. Diese haben natürlich keinen Einfluss auf die Meinung des Bloggers und haben auch nichts mit den ohnehin oft kritisch betrachteten gekauften Blog-Artikeln zu tun.

5. Blogger wollen keinen Stress

Viele Blogger leben nicht allein vom Bloggen oder sehen es nur als Hobby an. Daher solltest du schon ein wenig Geduld entwickeln. Denn wie wichtig ein Thema ist und wann es kommen muss, das entscheidet der Blogger in der Regel selbst. Auch wenn der ein oder andere Blogger durchaus eine Artikelplanung hat, die genauen Termine sucht er sich selbst aus und ist da auch selten an einen Abgabetermin gehalten. Blogs verschieben auch schnell mal die Veröffentlichung eines Artikels, wenn irgendetwas dazwischen kommt. Daher sollte man anstatt die Blogger zu drängen, sich rechtzeitig beim Blogger melden und ihm möglichst großen Mehrwert bieten (siehe 4.), um ihm eine baldige Veröffentlichung des Artikels schmackhaft zu machen.

6. Blogger Relations: „Hello again!“

Blogger sind schon seltsame Wesen. Sie wollen häufig nicht nur von deiner Seite über ein Produkt die neuesten Infos erhalten, sie wollen mit dir auch noch darüber diskutieren. Blogger sind es gewohnt Unterhaltungen zu führen über Produkte, aber auch über andere Dinge, die Branche oder Themenbereich ihres Blogs angehen. Sie tun es nämlich jeden Tag. In ihrem Blog und in mehreren Social Networks wie Facebook oder Twitter. Daher solltest du dich nicht nur auf harmlose Rückfragen, sondern auch auf Meinungen und Vorschläge einstellen. Doch wenn du gut in deinem Job bist, kannst du dir hieraus Vorteile herausarbeiten. Denn Bloggern sind langfristige Beziehungen durchaus wichtig. Das bedeutet aber auch, dass du sie nicht vollkommen ignorierst, wenn du gerade kein Produkt für sie hast. Bleib ein Mitglied der Community, bleib mit den Bloggern im Gespräch und rede vor allem auch mal über andere Dinge, als nur das nächste Produkt. Blogger werden es dir danken und du hast die Möglichkeit ein Vertrauensverhältnis zu Ihnen aufzubauen.

Fazit:

Wenn Blogger auf keinen dieser Punkte wert legen, solltest du hinterfragen ob du beim richtigen Blog gelandet bist und ob dein Produkt hier wirklich gut aufgehoben ist. Kleinere Blogs, die einfach alles übernehmen und auch über wenig Interaktion verfügen, suchen vermutlich nur Inhalt um Werbeeinnahmen zu generieren. Du solltest dir also in jedem Fall die Zeit nehmen, um zu schauen, was in den Blogs gepostet wird und nicht nur welches Thema im Fokus steht. Das wird beiden Seiten behilflich sein.

Photo by Neil Barnwell