Brand-Check: Sabine Lisicki

Wenn Sabine Lisicki den heiligen Rasen von Wimbledon betritt, nimmt sie das Publikum sogleich zur Kenntnis. Egal ob auf dem Centre Court oder auf Court 18 – eine Veränderung in der Stimmung ist sogleich festzustellen. Neben den absoluten Top-Spielern (und da auch nicht bei allen) und den Landsleuten haben die Tennis-Fans im All England Lawn Tennis Club eine kleine Auswahl an Lieblingen. Lisicki gehört dazu. Wie auch bei anderen Turnieren auf der Tour scheint sie mit ihrer natürlichen, aufgeschlossenen Art die Sympathien der Zuschauer magisch anzuziehen. Immer mit einem Lächeln auf den Lippen.

Das verliert sie auch 2012 nicht, obwohl sie nach einer Verletzung in Charleston vier Erstrundenniederlagen vor Wimbledon zu verarbeiten hatte. Nach einem kurzen Trainingslager in der vertrauten Bollettieri Tennis Academy in Florida hat sie ihre Lockerheit rechtzeitig wieder gefunden. Über vermeintliche dumme Fehler kann sie auch in kritischen Momenten lachen. Der heilige Rasen scheint die Heilung zu beschleunigen, bis sie nach einem umkämpften Viertelfinale gegen Landsfrau Angelique Kerber schließlich die Koffer packen muss.

Sabine Lisicki: Deutsche Nummer 1 auf Facebook

Trotz aller sportlicher Rückschläge durch Verletzungen in der immer noch jungem Karriere, ist die Beliebtheit unter Fans schon erstaunlich. Denn auch wenn der ganz große sportliche Erfolg bisher ausgeblieben ist, ist es auch nicht der Glamour, den die Massen anzieht. Offline wie Online überträgt sich Lisickis natürliche Art unmittelbar. Ihr Lächeln so effektiv, wie ihr erster Aufschlag. Die Mischung aus Power und Lockerheit ist ansteckend. Da ist es auch wenig überraschend, dass sie lange die deutsche Nummer 1 ist. Zumindest wenn es nach der Anzahl der Facebook-Fans geht. Denn da hat sie kurz vor Olympia die 100.000 geknackt. Damit liegt sie immerhin 40.000 Fans vor Team-Spaßvogel Andrea Petkovic. Die sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreut. Nicht nur auf YouTube. Die sportliche Nummer 1, Angelique Kerber, kann mit ca. 12.000 Fans ihren sportlichen Aufwind noch nicht mitnehmen auf ihr Social Media Welt.

Xperia Hot Shots: Lisicki gewinnt YouTube-Contest

2011 gewann Sabine Lisicki die Xperia Hot Shots. Eine YouTube-Show und Image-Kampagne des WTA-Sponsors Sony Ericcson, die für ein paar Monate in mehreren Videos 6 junge, hochtalentierte Tennisspielerinnen bei derem Aufstieg in der Tennis-Welt begleitete. Dabei setzte sich Lisicki u.a. gegen Sorana Cirstea, Heather Watson oder Dominika Cibulkova durch. Voten durften die Fans auf Facebook. Dort wurde die Kampagne von zahlreichen Fans getragen, was dem Social Buzz der Sabine Lisicki sicher zusätzlich Antrieb gegeben hat. Vor allem da sie während diesem Zeitraum auch sportlich mit dem Wimbledon Halbfinale und den Turniersiegen beim Aegon Classic in Birmingham und den Texas Tennis Open auf sich aufmerksam machte.

In den sozialen Medien schafft Sabine Lisicki es eine gute Mischung zwischen persönlicher Note und nötiger Distanz zu bewahren. Es ist ein gutes Abbild, zu ihrem Verhalten in den „klassischen“ Medien, wie z.B. auch ein Interview bei Markus Lanz zeigt, dass Lisicki als Sendungsausschnitt auf ihrem eigenen YouTube-Kanal hochgeladen hat.

Sabine Lisicki auf Twitter

Auf Twitter tauscht sie sich oft mit ihren Kolleginnen aus. Nicht nur aus dem deutschen Team, auch anderen Tennisspielerinnen wird gratuliert, sich ausgetauscht oder auch mal „Termine abgestimmt“, wie hier mit der Österreicherin Tamira Paszek kurz vor Olympia 2012:

Sabine Lisicki Twitter

Auch Unterhaltungen mit Sportlern aus anderen Sportarten, wie zum Beispiel Deutschlands Vorzeigebasketballer Dirk Nowitzki, der zuletzt auch bei Lisickis Sharapova-Sieg in Wimbledon vor Ort war, kommen hin und wieder vor. Dazu natürlich Fotos von den beliebten WTA-Partys vor dem ein oder anderen Großevent. Wie viele Kolleginnen ist Fashion natürlich auch für Sabine Lisicki ein Thema, ohne es mit größter Intensität nach Außen zu transportieren. Bis jetzt zumindest.

Off-Court: Twitter plus Instagram

Wenn sie ausnahmsweise mal ein paar Tage zuhause ist und mehr oder weniger vom Tour-Alltag entspannen kann, kommen gerne auch mal spontane Snapshots von privaten „Projekten“. Zum Beispiel ein sehr bodenständiges Foto von Lisicki, die wie wir alle mit den fiesen Ikea-Möbeln kämpft. Sieht aus als habe sie auch hier alles im Griff.

Insgesamt benutzt Sabine Lisicki Instagram noch sehr unregelmäßig. Ein Profilbild fehlt auch noch. Sie veröffentlichte dort aber zumindest auch ein paar Schnappschüsse mit Nowitzki, Lanz oder jüngst im olympischen Dorf in London mit Schwimmstar Michael Phelps.

Sabine Lisicki: Website

Kurzer Ausflug auf die Website. Eigentlich ist hier alles relativ vollständig. Nur relevante News, ein Turnierkalender, Foto-Gallerie, die YouTube-Videos, sowie ein paar Fakten zu ihrer Karriere, eine kurze Biografie, Hobbies und eine Übersicht über die Sponsoren. Zudem ist die Website zweisprachig (Deutsch/Englisch). Nur der Blog liegt seit 2010 brach und macht dadurch keinen sonderlich positiven Eindruck. Insgesamt vollständig, nettes Design, inhaltlich solide.

Sponsoren & Werbung

Abseits von Social Media laufen bei Sabine Lisicki natürlich auch einige Markenkooperationen ab. Für Ausrüster Nike tritt sie in der „Make it Count“-Kampagne auf YouTube auf. Seit diesem Jahr spielt sie zudem mit einer neuen Schlägermarke. Wie Kollegin Kerber setzt Lisicki wieder auf Yonex, die sie vor allem um Wimbledon in ihre PR und Marketing-Aktionen einbezogen haben (z.B. hier und hier). Dazu kommt die dezente Kooperation mit dem hawaiianischen Sonnenbrillen-Hersteller Maui Jim, die sich verstärkt im Tennisbereich engagieren, oder auch der gesponserte Webauftritt. Zusammen mit Steffi Graf trat Lisicki zudem im Juni 2012 bei einem Schaukampf in Kooperation mit Uhrenhersteller und French Open-Sponsor Longines im Rahmen der Talentinitiative „Longines Future Tennis Aces 2012“ auf.

Negativausrutscher ist dagegen der Werbespot für TennisPoint.de, der das ohnehin geringe Budget für eine einmalige Explosion statt für eine anständige Story verprasst hat. Der Spot an sich geht irgendwie komplett am Thema vorbei und die Charlies Angles-Kopie ist mittlerweile mehr als ausgelutscht. Das kann selbst Sabine Lisicki nicht ganz weglächeln. Der Spot wirft mehr Fragen auf, als das er TennisPoint und schon gar nicht Sabine Lisicki und ihrer Marke weiterhilft. Vor allem da dieser bereits während prestigeträchtigen Turnieren wie dem WTA in Stuttgart und den French Open über die TV-Bildschirme flimmerte. Außerhalb der bisherigen deutschen Fanbase, wird sie damit wenige Leute erreicht haben.

Fazit:

Sabine Lisicki wirkt wie auf dem Court und in Interviews auch online sehr natürlich. Man vermisst aber insgesamt noch eine Schärfung ihrer Marke und eine wirkliche Strategie. Ihr Facebook-Auftritt und ihre Twitter-Aktivitäten sind von der Frequenz völlig okay. Sie wirken aber gerade auf Facebook eher improvisiert. Ein paar mehr Infos zu ihren Spielen, die beim Tennis ja zudem oftmals kurzfristig terminiert werden, würden gerade auf Facebook gut tun. Das darf dann auch gerne ihr Team erledigen (und dies dann auch so kennzeichnen).

Auch offline und bei den Markenkooperationen mit Sponsoren und Werbepartnern wäre ein wenig mehr Schärfung ihres Profils und ihrer Identität wünschenswert. Auch wenn sie unter den aktuellen deutschen Tennisprofis ganz vorne dabei ist, gibt es immer noch jede Menge Potenzial. In Sachen Bekanntheitsgrad kann sie jetzt bei Olympia, auf ihrem geliebten heiligen Rasen von Wimbledon, den nächsten Schritt machen. Der muss irgendwann auch in Sachen Brand noch passieren.