Es war einmal.. re:publica 2012

1.Mai – was für ein toller Reisetag. Das ist genau der Tag, an dem sich morgens im Zug die Schnapsleichen von gestern mit denen von heute treffen. Zumindest wenn man nicht das Glück hat, direkt in den ICE zu steigen. Die Spannung war kaum zu leugnen. Die re:publica 12 – mein Debüt beim Klassentreffen des digitalen Irgendwas. Die Eindrücke waren nicht so vielfälltig wie Berlin, sie kannten aber genauso Höhen und Tiefen und vermittelten ein positives Grundgefühl.

Berlin, ich mag dich. Deswegen hielt es mich auch nach dem Check-In im Hotel kaum im Zimmer. Ich wollte zum Alex, kurz was essen. Dann zum St.Oberholz. Das rp12-Warmup war da schon angelaufen. Und dort fielen sie auch schon um. Erste Real-Life-Begegnungen mit Michaela, Markus und Nico. Dazu das erste Mal ein Gespräch, welches sich vom Ergebnis her dieser Tage noch einige Male wiederholen sollte: Spannendes Geplauder. Kurze Pause. Wie ist eigentlich dein Twittername? Oh, ich folge dir schon. Ich dir auch. Lächeln.

Und los geht’s

Los geht’s. Menschenmenge. Hilflose Onliner auf der Suche nach dem WLAN. Weißt du was? Egal. Ich hatte keine große Lust mich mit dieser Frage lange rumzuquälen. Lieber war ich auf der Suche nach Menschen, Gesprächen. Und davon gab es doch einige tolle. Den Sessionplan hatte ich im Vorfeld nicht mal überflogen. 3-4 Speaker hatte ich mir gemerkt. Während einige keine Lust hatten sich von Sascha Lobo beleidigen zu lassen – und das tat er dieses Mal doch so schön durch die Blume, zumindest zu Beginn – wollte ich mir das Spektakel doch mal live ansehen. Von nahem betrachten warum dieser Mann herausstach. Außer durch (teils) provokante Thesen und Iro. Denn die restlichen Sessions, die ich mir an Tag 1 herausgesucht hatte, waren zu großen Teilen dann doch eher nüchtern und weniger inspirierend.

Sascha Lobo – Stand des Internets 2012 (Video bei SPIEGEL Online)

re:publica 12 (photo by Thilo Specht)

Ein Kaffeeklatsch und ein Mikrofon

Vor allem die (von mir besuchten) Panels wirkten oftmals etwas unstrukturiert und oberflächlich. Breite statt Tiefe. Genauso wie ich meine Sessionplanung improvisiert hatte, wirkten auch einige dieser Panels. Creative Internet Business? Selfpublishing? Neue Erkenntnisse kamen für mich nicht zum Tragen. Weit übertroffen allerdings dann am zweiten Tag durch den besseren Kaffeeklatsch zur Musikindustrie „Das Internet ist nicht mein Feind?“. Da tat es fast doppelt weh, dass ich es zeitlich nicht zum Future Music Camp diese Woche schaffen werde. Während die vertechnitisierte Werbeveranstaltung Session zum Thema „Social TV“ der Tiefpunkt war, gab es natürlich auch Highlights unter den Speakern. Allen voran die großartige Cindy Gallop, welche ihr Projekt „Make Love Not Porn“ vorstellte (Session im Video bei SPIEGEL Online). Eine tolle Speakerin, die mit ihren innovativen Ansätzen jeder Marke Beine machen könnte – ohne Frage.

Stage 1 & co:funding 2012

Der kenianische Blogger Mark Kaigwa gab Einblicke in die afrikanische Tech-Industrie. Merkels twitternder Regierungsprecher Steffen Seibert gewann Sympathie im Q&A auf Stage 1, auf die es mich vor allem ab dem zweiten Tag vermehrt zog. Auch wenn die durchaus eloquente Katie Jacobs Stanton, Twitter VP of Market Development (International), inhaltlich fast ausschließlich Zahlen und Best Practice Beispiele dabei hatte, die mir geläufig waren.

Am Freitag lief auf Stage 3 mit der co:funding 2012 noch die spannende Subkonferenz der rp12 zum Thema Crowdfunding, die ich mit Interesse verfolgte. Im Ideen Pitch dabei auch Timon Birkhofer vom noch laufenden Kickstarter-Projekt Capital C, den ich ja hier kürzlich interviewte.

Um das Drumherum zu beschreiben, reichen eigentlich 4 Dinge: neue, alte, viele interessante Menschen, 2 entspannte Abendessen mit #digisport-Kollegen (Highlights!), viele nette rp12-Helfer und viel zu viel mysteriöse Bratwurst.

Fazit:

Am ersten Tag der Veranstaltung kam eine Redakteurin von Radio Fritz auf unsere kleine Gruppe zu, die sich wie so oft dieser Tage auf dem Affenfelsen zusammengewürfelt hatte. Sie stellte uns die Frage, was für uns „ACT!ON“ – das Motto der re:publica 2012 – bedeutet. Etwas unausgeschlafen und sowieso gerade erst angekommen zuckten wir mit den Schultern. So wirklich etwas damit anfangen konnten wir damit gerade nicht. Anstatt irgendeine vage Antwort in Richtung Mikro zu murmeln, wollte ich lieber erst einmal die volle Veranstaltung aufsaugen bevor ich diesen Slogan abschließend oder überhaupt bewerten würde. Nun ist die Veranstaltung beendet. Ich hatte ein wenig Zeit zur Reflektion. Meine Antwort dazu bleibt simpel: ACT!ON bedeutet für mich persönlich aus den gegebenen Möglichkeiten das Beste herauszuholen. Aktiv nach Lösungen und neuen Ideen zu suchen. Und das nicht allein, sondern in Gemeinschaft. WLAN oder nicht WLAN – das ist nicht die Frage. Das ist einfach nur der Beweis, dass wir beides können. Online wie Offline. Alle.

Copyright Photos: Thilo Specht