Das Social Branding der NBA – Interview mit André Voigt

Dieses Jahr war es endlich soweit. Deutschland’s Basketball-Star Dirk Nowitzki kehrte nach seinem ersten Gewinn der NBA Championships als MVP der Finals nach Deutschland zurück, um mit seinen Fans zu feiern und anschließend sich etwas entkräftet zur Basketball-EM zu schleppen. Obwohl Basketball hierzulande immer noch im Schatten von Fussball, Handball oder der Formel 1 steht, hat der Erfolg von Nowitzki für Aufsehen gesorgt. Auch die NBA engagiert sich seit einiger Zeit in Deutschland. Während der Play Offs habe ich vor allem die Facebook-Aktivitäten näher beobachtet und mich dann entschlossen das folgende Interview mit André „Dre“ Voigt zu führen.

Andrè "Dré" Voigt Interview - Social Branding der NBAAndré ist nicht nur freier Redakteur bei NBA.de und kümmert sich dort um das Facebook-Angebot. Er ist den deutschen Basketball-Fans auch bestens bekannt als Gründer und Chefredakteur des Basketball-Magazins FIVE und Co-Autor des Buches „Planet Basketball„, welches er zusammen mit Jan Hieronimi verfasste und auch schon Dirk Nowitzki zum Lesen vorsetzte. Zusammen mit Jan kommentiert André auch immer die aktuellsten Geschehnisse der NBA im gemeinsamen Podcast. Ihr seht also der Mann ist viel beschäftigt, war er doch auch noch extra zu den NBA Finals in die USA gereist. Hat sich doch gelohnt. Jetzt aber zum Interview.

Wo steht die NBA als Brand im Vergleich zur hiesigen Beko BBL?

Die NBA ist die beste Basketballliga der Welt und verfügt damit natürlich über einen ganz anderen Status als die BBL. Die NBA ist nicht nur national eine Marke, sondern auch international, hat ganz andere Mittel der Vermarktung und eine unglaubliche globale Präsenz.

Welche Rolle spielt Social Media bei der Etablierung der NBA als Brand in Deutschland?

Soweit ich als freier Redakteur von NBA.de beurteilen kann: eine große. Die NBA will die Fans dort abholen, wo sie sind. Facebook bietet die Möglichkeit die Community direkt anzusprechen, auf die eigenen Inhalte und Produkte hinzuweisen.

Wie wird der Dialog mit den Fans gefördert und welche Interaktionsmöglichkeiten bestehen schon?

Hauptsächlich geschieht dies auf Facebook. Dort können die Fans ihre Meinung zu aktuellen Ereignissen einbringen, Fragen stellen, die online oder per Podcast beantwortet werden, an Abstimmungen teilnehmen, etc.

NBA Deutschland auf Facebook - Social Branding Interview

Ist der Ansatz anders als in den USA oder kann man von den amerikanischen Social Media Aktivitäten lernen?

Auf Facebook ist der Ansatz weitgehend der gleiche. Twitter, das in den USA ja eine enorme Bedeutung hat, wird meiner Meinung nach allgemein in Deutschland eher stiefmütterlich behandelt, ich denke aber, dass die NBA auch hier in der Zukunft aktiver werden wird.

Wird das Angebot in Deutschland noch ausgebaut?

Davon gehe ich aus. Allerdings kann ich nicht für die Entscheider in den USA sprechen. Außerdem bedroht der Arbeitskampf in der NBA die Austragung der Saison 2011/12. Vor diesem Hintergrund eine Prognose zu wagen ist schwer.

Die NBA hat in den vergangenen Wochen einige Spiele gratis im Livestream gezeigt. Mit welcher Zielsetzung wird das Livestream-Angebot hier beworben und wie sieht das Potenzial am deutschen Markt an so einem Angebot aus im Vergleich zu anderen Auslandsmärkten?

Natürlich sollen so viele Fans wie möglich die NBA per League Pass erleben und erkennen, dass es sich hierbei um ein echtes Premiumprodukt handelt. Basketball ist in Deutschland Nische, weder im Free-, noch im Pay-TV gab es eine Berichterstattung während der regulären Saison. Erst spät in den Playoffs übertrug Sport1+ die Finals. Für die NBA-Fans in Deutschland ist der League Pass also die perfekte Möglichkeit, um die NBA in HD zu verfolgen.

Welche Rolle spielt der aktuelle Erfolg der Dallas Mavericks um das deutsche Aushängeschild Dirk Nowitzki? Ist eine Auswirkung auf Anzahl der Fans und Interaktion auf Facebook zu beobachten?

Dirk Nowitzki hat schon immer in Deutschland den größten Effekt gehabt. Wenn wir mit unserer Zeitschrift FIVE Nowitzki auf dem Cover haben, schnellen die Verkaufszahlen nach oben. Er ist der einzige aktive NBA-Star, der eine breite Masse an Gelegenheitsfans oder allgemein Sportbegeisterten interessiert. Was die Interaktion auf Facebook angeht, so ist auch dort eine Steigerung der Aktivitäten zu beobachten, wenn es um seine Person geht. Das gilt auch für die überregionalen Medien im Print- oder Rundfunkbereich.

Wie stehen die NBA-Teams zum Thema Auslandsvermarktung? Wird da, auch in Bezug auf Social Media, im Ausland – speziell in Europa – an den Team Brands gearbeitet?

Nein, das habe ich noch nicht gesehen. Die Teams selbst sind vornehmlich mit der lokalen Vermarktung beschäftigt. Dort akquirieren sie Sponsorengelder, kurbeln sie Ticket- und Suiten-Verkäufe an.

Die amerikanischen Profiligen gelten als Vorbilder wenn es um die Nutzung von Social Media geht. Was können deutsche Profi-Teams – sei es jetzt im Basketball, Fussball oder anderen Sportarten – hier noch lernen?

Vor allem, dass niemand Angst vor Social Media haben muss, sollte oder darf. Social Media sind der beste Weg, um direkt mit den Fans in Kontakt zu kommen und damit mit dem Kunden. Noch nie war es so einfach eine Marke aufzubauen, sie erlebbar zu machen. Allerdings muss ein Verein, Sportler oder eine Organisation auf Facebook oder Twitter authentisch präsentiert werden. Die Fans haben ein sehr feines Gespür dafür, wenn sie für Werbezwecke missbraucht werden und wann nicht.

(Dieses Interview wurde ursprünglich auf meinem eingestellten Blog BrandingStory am 28.06.2011 veröffentlicht.)

Links zum Thema:
NBA Deutschland auf Facebook
André „Dré“ Voigt auf Facebook
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