Google+ für Unternehmen – Interview mit Tina Gallinaro

Google Plus ist nach wie vor ein Mysterium für viele und in gewisser Weise auch für mich. Während manche Leute nach wie vor aktiv und begeistert sich mit den neuen und alten Funktionen eines Social Networks austoben, bleiben viele skeptisch auf Distanz. Zwischen zu hohen Erwartungen, alten Gewohnheiten und aufgrund der noch überschaubaren Aktivität – vor allem hierzulande – sind in den letzten Monaten einige Missverständnisse aufgekommen und Vorurteile entstanden. Das Wort Geisterstadt war in jüngerer Vergangenheit oft zu hören. Grund genug mal bei einer Spezialistin nachzufragen.

Zusammen mit Inga Palme hat Tina Gallinaro das Buch „Webselling – Google+ für Unternehmen“ (Data Becker) geschrieben, welches letzte Woche veröfffentlicht wurde. Da ich Tina schon eine Weile über Twitter & co. kenne, habe ich mich vor der Buch-VÖ um ein Interview bemüht, um mal zu hören was ihre Sicht der Dinge ist und was man somit vielleicht auch von ihrem Buch erwarten kann. Tina sagte mir freundlicherweise direkt zu und hier haben wir also das Interview. Ab dafür!

Tina GallinaroDu hast zusammen mit Inga Palme das Buch „Google+ für Unternehmen erfolgreich einsetzen“ geschrieben. Wie kam es dazu?

Ich kenne Inga Palme durch Facebook, sie hat bereits das Buch „Die besten Facebook Marketing Tipps“ für den gleichen Verlag geschrieben. Anfang November fragte sie mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr zusammen am Buch Google+ für Unternehmen zu arbeiten.

Warum sollten sich Unternehmen schon jetzt aktiv mit dem Thema Google+ beschäftigen?

Google ist in erster Linie eine Suchmaschine und wird es auch bleiben. Searchmetrics hat in seinen SEO Ranking Faktoren für Deutschland 2012 aufgezeigt, dass soziale Signale bedingt durch Interaktionen in sozialen Netzwerken mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Zwar sind in diesem Bericht noch keine Daten von Google+ enthalten, eben weil zum Erhebungszeitraum Google+ noch zu neu war, doch wird Google sicherlich alles daran setzen, Ergebnisse aus dem eigenen Netzwerk in Verbindung mit sozialen Signalen prominent anzuzeigen.

Hier sei vor allem die neue Suche Search, plus Your World genannt, welche jedem Google Nutzer individuelle Ergebnisse in der Suche anzeigt, welche sich aus den Aktivitäten bei Google+ ergeben.

Google+ ist ein weiterer Kanal, um höhere Reichweiten zu erzielen und es gibt viele Unternehmen, welche bereits jetzt über eine höhere Anzahl an Followern verfügen, als über Fans auf ihren Facebook-Seiten. Diesen Trend konnten wir gerade bei KMUs beobachten.

Inwiefern sollten Unternehmen einen ähnlichen oder anderen strategischen Ansatz als bei Facebook wählen?

Google+ sollte, wie schon erwähnt, ganz einfach als weiterer Kommunikationskanal verstanden werden. Wobei hier Kommunikation – also Austausch – im eigentlichen Sinne gemeint ist, denn bei Google+ lassen sich nicht wirklich Kampagnen – beispielsweise über Promotionaktionen – kommunizieren. Dies, weil es bei Google+ keine Möglichkeit gibt, eigene Applikationen auf Seiten zu integrieren, so wie das bei Facebook der Fall ist.

Google+ ist eine ideale Plattform, um Neuigkeiten zu publizieren. Dabei lohnt es sich vor allem, nicht nur über Inhalte des eigenen Unternehmens berichten, sondern auch Beiträge von anderen Profilen und Seiten zu kommentieren und zu teilen, welche im Kontext zum eigenen Thema stehen. Wer das macht, wird schnell profitieren und Aufmerksamkeit auf sich ziehen

Was entgegnest du Leuten, die Google+ als Geisterstadt bezeichnen?

Google+ existiert erst seit Juli 2011. Seiten gibt es seit Anfang November, also knapp vier Monate. Mittlerweile soll es rund 195 Millionen Google+ Profile geben von denen ca. 25 Millionen als nicht aktiv eingestuft werden. Ein, wie wir finden, rasantes Wachstum.

Wer denkt, Google+ sei eine Geisterstadt, betrachtet dieses Netzwerk unserer Einschätzung nach durch eine Facebook-Brille. Wer das tut, erwartet diese und jene Funktion von Facebook ganz einfach auch bei Google+. Doch es wäre fatal, würde Google+ alle möglichen Funktionen von Facebook einfach adaptieren. Dies ließe keinen Raum für Neues, Google+ würde zu einer Kopie von Facebook mutieren.

Gerade was den Umgang mit Neuem angeht, hat Guy Kawasaki kürzlich bemerkt: Warum wollen Nutzer ihre Freunde auch in anderen Netzwerken finden? Warum wollen sie nicht einfach neue Leute kennenlernen?

Webselling - Google+ für UnternehmenWas kann man tun, wenn man so empfindet, um in die Unterhaltung einzusteigen und doch einen Mehrwert zu finden?

Genau darum geht es: In die Unterhaltung einsteigen. Dazu gilt es, zunächst interessante Profile und Seiten zu finden auf Google+ und ihnen zu folgen. Wer keinem oder nur wenig Profilen oder Seiten folgt, findet auch keine Neuigkeiten in seinem Stream. Eine Möglichkeit ist es, interessanten und berühmten Personen zu folgen. Dies ist eine Auswahl von Kreisen nach bestimmten Themengebieten, welche Google+ selbst zur Verfügung stellt.

Eine weitere Option ist es, über die Google+ Suche nach Interessensgebieten zu schauen. Über die Ergebnisse lassen sich interessante Profile und Seiten zum Folgen herausfiltern. Wichtig ist vor allem den Fokus darauf zu setzen, welcher Mehrwert anderen geboten werden kann und diesen „Was hab ich davon“ Gedanken einfach mal ein Stückweit abzuschalten.

Google+ wirkte für mich von Anfang an eher wie ein Business-Netzwerk, was Inhalte und Kontakte anging. Woran liegt das bzw. was ist deine Erfahrung?

Gerade weil es bei Google+ zu Anfang nur Profile und keine Seiten gab, hatten wir nicht den Eindruck, dass hauptsächlich Inhalte geschäftlicher Natur publiziert wurden. Im Gegenteil, von Beginn an stellten wir fest, dass bei Google+ gerade auf privater Ebene schnell neue und vor allem wertvolle Kontakte zustande kommen. Kontakte, welche sich auch zu einem Großteil für die geschäftliche Ausrichtung der Profile interessieren.

So profitiert beides, Profile und auch Seiten, eben weil die Möglichkeiten zur Interaktion zwischen ihnen optimal gelöst ist bei Google+.

Siehst du dadurch für die Zukunft auch Vorteile im Bereich Employer Branding auf Google+ im Vergleich zu Facebook aber auch zu „traditionellen“ Business-Netzwerken wie Xing und Linkedin?

Die Frage ist zunächst, welche Informationen Unternehmen wie an welcher Stelle transportieren. Auch wie sie das Thema Employer Branding angehen. Betrachten wir zum Beispiel CSR Programme, so lassen sich diese sicherlich auf allen Kanälen erfolgreich kommunizieren. Ob Google+ dabei einen Vorteil haben wird gegenüber anderen Netzwerken lässt nach unserer Einschätzung nicht festlegen. Letztendlich kommt es auf die Außenwirkung in der Gesamtheit an.

Tina Gallinaro auf Google+

Photo Copyrights: Tina Gallinaro & Data Becker