Leon Taylor im Interview – Social Branding für Musiker

Das erste Mal habe ich Leon Taylor im Musikvideo „Gleichgewicht“ vom Braunschweiger Rapper F.R. gesehen und war von seiner Stimme gleich sehr angetan. Das ist mittlerweile fast 3 Jahre her. Bis der Frankfurter Sänger letztes Jahr bei Stefan Raab’s „Unser Star für Oslo“ teilnahm, war es noch ein wenig ruhig um Leon Taylor. Doch seitdem geht es bei Leon so richtig los. Zuletzt spielte er u.a. auf der Frankfurter Fanmeile zur Eröffnung der Frauenfussball-WM 2011 seine WM-Hymne „Es werden Tage aus Gold“. Auch sein Debütalbum ist momentan in Arbeit.

Was mir aber auch vor einigen Monaten auffiel, war nicht nur die natürliche und angenehme Art und Weise mit der sich Leon Taylor durch das Social Web bewegt. Es ist auch das Interesse, welches Leon im Umgang mit Social Media zeigt. Er liest und teilt daher auch regelmäßig interessante Fachartikel zu diesem Thema in seinem Twitterstream. Alles Gründe, warum ich mit Leon unbedingt ein Interview führen wollte und dieser mir auch prompt – angetan von dieser Idee – eine Zusage erteilte. Offen und durchaus kritisch erzählt Leon Taylor von seinen Erfahrungen, Vorstellungen und Prinzipien im Umgang mit Social Media und Fans.

Hallo Leon, ich denke einige Leute in Deutschland können mit deinem Namen seit letztem Jahr etwas anfangen. Aber wie sieht dein musikalischer Background aus?

Leon Taylor Interview - Social Branding für MusikerIch habe ganz früh angefangen Musik zu machen. Mit 6 hatte ich meinen ersten Klavierunterricht und gesungen hab ich laut meiner Mutter schon immer. Meine Eltern sind ebenfalls beide Musiker. Meine Mutter ist Sängerin und mein Dad Bassist. Musik machen und als Musiker leben, war für mich daher schon immer allgegenwärtig. Ich hatte schon während meiner Schulzeit das Glück musikalisch aktiv zu sein, vorallem als Backgroundsänger. Das war zwar viel Arbeit aber mit der Zeit gab das mir die Gelegenheit unter anderem mit Künstlern wie Elton John oder Michael Jackson aufzutreten. Meine eigenen Projekte fingen Ende der 90er zur Hochzeit des Deutschsprachigen Hip Hop’s an. Meine Zeit als Rapper war für mich die beste Übung um auf deutsch Texte zu schreiben, was auch heute noch meine Passion ist – ich liebe es Songs auf deutsch zu schreiben und natürlich auch zu singen.

Du bist im letzten Jahr bei „Unser Star für Oslo“ in die Top 6 gekommen. Welche Auswirkungen hatte die Show auf deine Karriere als Sänger und Musiker?

USFO war für mich einfach großartig! Durch die Sendung wurden sehr viele Menschen zum ersten Mal auf mich aufmerksam, sowohl im Publikum als auch in der Musikindustrie. Ich bekam mehr Freunde und Follower und damit ein stärkeres Feedback zu meiner Musik. Zum glück auch mit viel Zuspruch, was für mich pure Inspiration und Energie bedeutet.

Soziale Medien erleichtern für die Fans heutzutage den Zugang zum Künstler, genauso wie andersrum. Welche Rolle haben für dich bei dem Casting rückblickend Social Media Kanäle gespielt in Hinblick auf Reichweite und Fans?

Die Zeit bei USFO war für mich sehr aufregend. Ich hatte Gedanken und Emotionen, die ich bis dato so nicht kannte. Es ist halt eben alles anders, wenn man weiß, dass einem gleich Millionen von Menschen zusehen werden. Vor allem Facebook gab mir die Möglichkeit diese Gedanken mit anderen zu Teilen, so hab ich mich auf dieser großen Bühne auch nicht alleine gefühlt. Der Austausch mit meinen Freunden war in dieser Zeit für mich mein zweites Zuhause.

Leon Taylor Interview - Social Branding für Musiker

Wie nutzt du soziale Medien heute und wie sehr setzt du dich selbst mit dieser Thematik auch im Hinblick auf Strategie und Brand Management auseinander?

Ganz ehrlich habe ich das Gefühl soziale Medien erst seit kurzer Zeit wirklich zu verstehen. Ich hatte mich immer mehr mit der Thematik eben just im Hinblick auf Strategie und Brand Management auseinander gesetzt und hatte diesbezüglich auch viel ausprobiert – was wirklich gut ist. Vieles lernt und versteht man auch immer erst dann, wenn man es mal versucht! Social Media kann man meiner Meinung nach erst erfolgreich nutzen, wenn man es lebt. Bei allen strategischen Vorgehensweisen sollte man nie vergessen, dass jeder Freund und Follower auch wirklich ein Mensch ist und erst dann einen wirklichen „Wert“ hat wenn man Ihn als Freund ansieht. Auf dieser Art wird transparente, ehrliche – eben menschliche Komunikation – die einzig wahre Strategie. Egal in welchem Bereich.

Für mich als Musiker ist es wichtig mich von alten Konventionen des Musikgeschäfts zu lösen und soziale Medien geben mir die beste Gelegenheit dazu. Die Möglichkeit mich als Künstler ohne Zensur auszudrücken ist natürlich großartig, aber ab einem bestimmten Punkt auch nicht immer leicht. Wenn man sich bewusst ist, dass viele Menschen hören was man sagt und lesen was man schreibt, ist es manchmal schwer einfach locker zu sein. Das ist aber genau das, was meiner Meinung nach den Künstler 2.0 ausmacht.

Welche Rolle spielt für dich dabei die Vermittlung von Inhalten?

Die Vermittlung von Inhalten ist natürlich sehr wichtig. Ich glaube nur noch nicht, dass ich das gut mache! Die Inhalte sind im Fall eines Musikers seine persönliche Geschichte und die Musik, die er macht. Dabei sind beide gleich wichtig und ergeben erst zusammen ein Produkt welches für Menschen greifbar ist. Ich selbst habe in der Vergangenheit viel zu selten „mich selbst“ als ganzes in der Öffentlichkeit gezeigt. Das lag allerdings eher weniger an mangeldem Selbstvertrauen, als an meinem sehr frühen Start im Musikgeschäft. Damals brauchte ich ein sehr dickes Fell. Heute würde ich sagen, dass „alles von sich preisgeben“ das größte Gut eines Künstlers ist und mein Ziel ist es das für mich selbst zu verwirklichen.

Wie beziehst du über Social Media deine Fans mit ein und was hältst du von Crowdsourcing?

Ich habe meiner Meinung nach meine Follower bis jetzt nur zum Teil in meine Arbeit mit einbezogen. Ich arbeite allerdings gerade an meinem Debütalbum, welches auch in seiner Entstehungsphase mit meinen Freunden geteilt und von Ihnen beurteilt werden soll. Für mich soll das aber eher Inspiration schaffen, als eine Richtung vorgeben. Denn wenn ich diese nicht selbst vorgebe, bin ich nicht Künstler! Die Kommunikation mit anderen ist mitlerweile für mich Treibstoff für immer neue Ideen.

Leon Taylor Interview - Social Branding für Musiker

In deiner Facebook- und Twitter-Bio steht „JA, ICH bin der SCHWARZE, der bei USFO immer auf DEUTSCH gesungen hat. Hier mehr von mir!“ Gehört eine gewisse Selbstironie auch zu deiner Brand oder wie würdest du diese beschreiben?

Na klar, wer sich selbst zu erst nimmt ist hier glaube ich am falschen Ort. Das bin ich, das ist mein Humor und das ist wie ich finde auch eine gute Art mich kurz selbst zu beschreiben.

Was erhältst du sonst für Fan-Reaktionen in diesem Zusammenhang?

Um ehrlich zu sein stammt diese Beschreibung grade durch die Reaktionen einiger meiner Follower. Bist Du nicht der schwarze der bei USFO immer auf deutsch gesungen hat? Ja, bin ich. (lacht)

Ich habe schon in meinem Interview mit Ron Schindler (DJ Ron) über die Möglichkeiten von Social Media im Live-Einsatz gesprochen. Vor allem in Bezug auf die „Facebook-Konzerte“ in Israel. Nutzt du Social Networks bei Konzerten, ggf. auch Check-In Specials, oder hast du das in Zukunft vor?

Im Moment filmen wir viel von unseren Konzerten und alles was drum herum so passiert und machen daraus unseren Leon Taylor „FlipBlog“. Zudem verkaufen wir Songs durch das „Pay with a Tweet / Share“ Verfahren. Auch sind Facebook und Twitter auf unsere Hompage eingebettet. Allerdings sind „Facebook-Konzerte“ und auch hervoragende Tools wie Check-In Specials für die Zukunft bei uns in Planung. Einfach leontaylor.de checken !

(Dieses Interview wurde ursprünglich auf meinem eingestellten Blog BrandingStory am 30.06.2011 veröffentlicht.)

Links zum Thema:
Leon Taylor’s Homepage
Leon Taylor auf Facebook
Leon Taylor bei Twitter