Case Study: Wie ein KMU an kostenlose Promi-Werbung bei Twitter kommt

Know your audience – kenne deine Zielgruppe! Ein einfacher Satz, der aber in seiner Ausführung nicht immer einfach ist. In sozialen Medien ist die eigene Zielgruppe auch wichtig. Die Frage ist hier aber nicht mehr unbedingt das wer – denn das sollte man ja mittlerweile festgelegt haben – sondern viel mehr das wo.

Lot 18 - exklusiver WeinhandelTrotzdem ist das wer wichtig, weil es auch in Social Media erst einmal neu definiert werden sollte. Wenn man also seine Reichweite steigern möchte, gibt es hier viele Möglichkeiten. Dabei darf man ruhig auch kreativ werden und sich an übergeordneten Dingen orientieren. Zum Beispiel an Persönlichkeiten der Öffentlichkeit, die zu den Werten und Merkmalen der eigenen Marke passen könnten. Viele größere Marken spannen daher – ähnlich wie in der klassischen Werbung – Celebrities in (oder gut deutsch Prominente) in ihre Social Media Kampagnen ein um in erster Linie virale Effekte zu erzielen.

Große Ideen, kleine Budgets: Hartnäckigkeit & Glück statt C-Promis

Was kann ich aber als kleines- oder mittleres Unternehmen tun, um auch nur ein Bruchteil so eines Effektes zu erzielen? Die klassische Variante früher wäre wohl gewesen mit C-, D- oder E-Promis zu arbeiten oder diese Gedankenspiele schnell zu verwerfen. In Social Media kann man mit etwas Glück und Hartnäckigkeit aber auch mal kostenlos Unterstützung einer Celebrity erhalten. Das mag der ein oder andere vor allem im Zusammenhang mit einigen YouTube-Stars kennen, denen die Erwähnung durch einen Prominenten plötzlich mit einem Mal ins Interesse der Öffentlichkeit gehoben hat. Ein Tweet von Ellen DeGeneres, Promi-Blogger Perez Hilton oder Lady Gaga kann schon mal Wunder bewirken und so sind tatsächlich schon ein paar kleine Karrieren entstanden.

Promis bei Twitter: Wie bekommen Brands Aufmerksamkeit?

Die Frage ist ob ich das als Brand auch versuchen kann? Versuchen kann man alles. Ich habe mir das auch schon eine Weile überlegt. Vor kurzem hab ich dann live ein Beispiel auf Twitter mitverfolgt, welches durchaus Wirkung zeigte. Der recht exklusive New Yorker Weinhändler Lot18, welcher mit einem Invitation-only System und mehreren Fundings in den letzten Montane für Furore sorgte, macht vor, was viele „normale“ KMUs sicher auch können. Es wendete sich in mehreren Tweets an die in den USA für ihr Mundwerk und ihre Vorliebe für Alkohol – insbesondere Wodka – bekannte Moderatorin, Comedian und Bestseller-Autorin Chelsea Handler. In diesem wurde für einen Retweet von Handler allen Kunden für einen Zeitraum von 2 Stunden kostenloser Versand versprochen. Unter dem Motto lasst uns Chelsea Handler von Wodka zu Wein bekehren und dem Angebot einer Flasche 2003 Château Mouton Rothschild Pauillac als Geschenk für Handler wurde sie also mit einigen Tweets befeuert. Der folgende Tweet wurde dann von Chelsea Handler schließlich an ihre Follower weitergegeben:

Chelsea Handler Retweet - Lot18 - Social Branding KMU

Wichtig war es hierbei genau zu wissen, dass dieser Promi dem Alkohol nicht abgeneigt ist und dies durchaus mit ihrer Marke in Verbindung setzt (Handler veröffentlichte u.a. das Buch „Are You There, Vodka? It’s Me Chelsea“). Die Weinliebhaber unter Chelseas gut 3,8 Millionen Follower werden sich Lot18 vielleicht genauer anschauen. Einziger Fehler von Lot18 an dieser Stelle ist, dass sie im Tweet vergessen haben den Hashtag #wine zu setzen.

Fazit: Zusätzliche Arbeit, die sich lohnen kann

Natürlich hat diese Aktion wenig mit Nachhaltigkeit zu tun, ist aber ein nicht planbarer Erfolg, der unter dem Motto „Fragen kostet nichts“ laufen könnte – gut er kostet etwas Zeit, aber die Tweets waren in ihrer Menge übersichtlich und kurzweilig. So eine Aktion kann also auch mal spontan gemacht werden. Wenn man schon überzeugte Kunden unter seinen bisherigen Followern hat, könne diese mit weiteren Tweets auch mithelfen – wie es hier auch teilweise geschehen ist. Aber auch für StartUps kann das sehr interessant sein, auch wenn man sich hier sicher zunächst auf eine allgemeine Social Media Strategie konzentrieren sollte. Ein Erfolg dieser Aktion kann aber durchaus einen schönen Anschub geben – auch wenn dieser selbst im Erfolgsfall nur schwer zu kalkulieren ist.

(Dieser Artikel wurde ursprünglich auf meinem eingestellten Blog BrandingStory am 26.08.2011 veröffentlicht.)